Feuerland und Patagonien liegen hinter mir. Nach sechs Monaten habe ich den Marsch am Lago Argentino beendet. Was hatte mich dazu bewogen, überhaupt loszumarschieren?

Vor allem die Suche nach Landstrichen, die sich dem Zugriff der Zivilisation bisher entziehen konnten. Ich hatte Glück und fand durch Zufall in einem Reiseführer eine Bemerkung zum chilenischen Süden Feuerlands: "...spärlich besiedelt und so gut wie unzugänglich" , hiess es da. Das weckte sofort mein Interesse, und dutzende Male betrachtete ich die Gegend auf meinen Karten. Vor Ort sah es dann fast so aus, als würde ich vor den Umständen kapitulieren müssen: die Distanz schien zu gross, die Lebensmittel zu knapp. Doch mit der Entschlossenheit kommt manchmal auch das Glück, und irgendwann stand ich an der Westküste der Isla Grande und hatte es geschafft. Dafür war und würde ich immer wieder losziehen: etwas Eigenes vollbracht zu haben, einer Gegend die eigene Handschrift aufgedrückt zu haben, und von ihr gezeichnet worden zu sein.

Patagonien selber lehrte mich vor allem, wie aus einem einst grossartigen, kargen und weiten Ende der Erde eine Art Rummelplatz für erlebnishungrige, aber das Risiko scheuende Touristen werden kann. Der heutige "Outdoor"-Tourist will durch das Auge des Abenteurers sehen, ohne das Wagnis eingehen zu müssen. "Wir wollen hier kein Disneyland!", sagte ein Guardparque in El Chalten immer wieder. Er merkte nicht, dass Disneyland längst angekommen war.

"Wer vom Calafatestrauch isst, wird immer wieder zurückkehren nach Patagonien." Was mag dran sein an jenem Spruch der Tehuelche? Manchmal fühle ich fast, als hätte ich dort unten ein unfinished business - vielleicht ein Andenken an all jene Pausen, in denen ich die blauen Beeren von den Sträuchern gepflückt habe.

Michael Schröder