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Mittlerweile hatte ich mich auch mit der örtlichen Polizei in Verbindung gesetzt, um die Erfordernisse für den Erwerb eines Waffenscheines zu klären. Niemandem auf der Polizeistelle schien sehr viel daran gelegen, einem Ausländer, einem Gringo, einen Waffenschein auszustellen. Ich solle, so hiess es, erst eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung einholen, bei der Immigracion, dem Einwohneramt. Dort eröffnete man mir, welche Dokumente hierzu nötig waren, so zum Beispiel Aids-Test und Interpol-Registerauszug. Mir war klar, dass das Beschaffen dieser Dokumente Zeit und Geld im Übermass benötigen würde, und da man auch nach erneuter Rücksprache bei der Polizei und dem genauen Darlegen meiner Gründe (Schutz vor grösseren Tieren) nichts von einem Waffenschein ohne “tarjeta de residencia temporal” wissen wollte, hakte ich den offiziellen Weg einfach ab. Ich hatte es versucht. Wiedereinmal zeigte es sich, dass der legale, offizielle Weg in Bolivien voller bürokratischer Stolpersteine war, während der Weg durch die Grauzone oder schlicht durchs Illegale meist problemlos funktionierte. Nun waren eben die Märkte und die Waffen ohne Papiere dran.
Mercado Central, Cachipachi de los Pozos, ich klapperte sie alle ab, ohne fündig zu werden. Mittlerweile waren seit meiner Ankunft in Santa Cruz mehrere Tage vergangen, und ich verlor zunehmend die Hoffnung, noch einen passenden Revolver für mich zu finden. Denn ich wollte einen Revolver – die Gründe, die Rüdiger Nehberg in einem seiner Bücher zum Thema “Revolver oder Pistole” aufgeführt hatte, schienen mir sehr einleuchtend. Etwas, aber nicht allzu sehr demoralisiert entschloss ich mich, nach Trinidad zurückzukehren. Irgendwo zwischen Santa Cruz und dem Pando würde sich etwas passendes ergeben, davon war ich überzeugt.
Der Bus fuhr am Abend, und ich hatte noch einige Zeit, um ein paar Dinge zu besorgen. Auf dem Rückweg aus der Innenstadt sprach mich jemand auf der Strasse an: ein hagerer Typ mit Schnauzbart, Herkunft europäisch. Er hiess Rainer und es stellte sich heraus, dass ich einem Landsmann begegnet war, seit zwölf Jahren lebte er in Bolivien und kannte hier, so er selber, “jeden”. Ob ich etwas zum Rauchen wolle. Nein danke, ich hatte keinen Bedarf. Aber ob er wisse, wie ich an einen kleinen 22er Revolver kommen könne? Er versprach mir, sich in seinem Bekanntenkreis umzuhören, und wir verabredeten uns für nachmittags um vier an einer Strassenecke. Kurz nach vier erschien Rainer und tischte mir eine seltsame Geschichte auf: sein Bekannter habe die Waffe, könne sie aber nicht persönlich vorbeibringen. Ich solle ihm einfach das Geld geben, und wir würden uns erneut zur Übergabe treffen. Ich machte ihm klar, dass daran gar nicht zu denken war. Ich schlug vor, er solle die Waffe holen, während ich im Hotel wartete. Im Hotelzimmer könnten wir dann auch die Bezahlung abwickeln. Doch das war ihm wieder nicht recht – sein Bekannter würde die Waffe nur gegen Bares herausrücken. So entschlossen wir uns nach einigem Gerede, zur Wohnung des Bekannten hinauszufahren. Wohl war mir dabei nicht, schliesslich verliess ich die Gegend um das Hotel und begab mich in unbekanntes Gelände. Rainer winkte einem Taxi, und wir fuhren über die grosse Avenida hinaus in einen der Randbezirke. Auf dem halbleeren Parkplatz eines Supermarktes hielten wir an. Selbstverständlich musste ich das Taxi bezahlen. Zudem hatte ich mit Rainer abgemacht, ihn ebenfalls für seine Beschaffungskünste zu entschädigen.
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