19In rasendem Tempo durch die Nacht nach Puerto Rico
Ich kam Puerto Rico näher, nur noch wenige Stunden auf dem Fluss trennten mich vom Ziel der Reise. Ich hatte seit Iroshima kaum eine längere Pause eingelegt und ordentlich das Ruder geschwungen, so dass der Gedanke, nun Schluß zu machen und das Zelt aufzubauen, gar nicht in meinen Kopf wollte. Ich fand es interessanter, nun doch noch einmal nachts auf dem Fluss unterwegs zu sein, und um die Strecke gut zu schaffen, wollte ich mir einen zusätzlichen Ruderer anheuern. Die letzte Siedlung auf meiner Karte war SoUndSo, doch als ich dort anlegte, waren alle mit Urwaldroden beschäftigt, und es fand sich niemand, der die Zeit aufbringen konnte, mich nach Puerto Rico zu begleiten. Und das, nachdem die Leute in allen Siedlungen, die ich bisher besucht hatte, vor allem damit beschäftigt gewesen waren, in ihren Hängematten zu liegen. Während ich mich jedoch in der Siedlung erkundigte, machte ein kleines Passagierschiff, das den Fluss hinaufgefahren kam, an der Anlegestelle halt, und die Reisenden setzten sich am Ufer unter einen Baum, um irgendetwas abzuwarten. Einer von ihnen hatte von meinem Angebot gehört und kam nun herüber, um sich nach dem Lohn zu erkundigen. Ich hatte zunächst hundert Bolivianos zahlen wollen, was dem Tageslohn eines einheimischen Führers entsprach. Wir einigten uns schließlich auf 120 Bolivianos, doch er hatte kein Ruder. Einer der Leute aus der Siedlung wollte seines verkaufen, für 20 Bolivianos, und ich willigte ein. Ich teilte das verbleibende Coca auf zwei kleine Plastiktüten auf, von denen ich ihm eine gab, dann, während das Licht des Tages langsam zu schwinden begann, legten wir ab Richtung Puerto Rico. Wir ruderten von Anfang an aus voller Kraft und kamen unglaublich schnell voran. Da das Rudern im vorderen Teil des Kanus viel anstrengender war als auf der hinteren Sitzbank, machten wir jede Stunde eine kurze Pause, bei der wir auch die Sitze tauschten. Wir schnitten die Flusskurven wie Rennfahrer und hielten uns gar nicht lange auf mit den Kehrwassern, die mich in den vergangenen Tagen immer so viel Kraft gekostet hatten. Nach zwei Stunden hielt ich eine kurze Essenspause für angebracht, und in der Dunkelheit und während uns die träge Strömung weiter den Fluss hinuntertrieb, assen wir die kleinen Brote aus der Siedlung zusammen mit Dosenfleisch. Dann stopften wir uns frisches Coca in die Backen und ruderten weiter. Bald sah man schon den Lichtschein der Stadt über dem ansonsten pechschwarzen Dschungel, und auf einmal saßen ein paar Leute am Flussufer auf einer Sandbank - mitten in der Nacht, wenn das mal der Parkdirektor sähe. Jedenfalls konnte Puerto Rico nicht mehr weit sein, und nach einem letzten kräftezehrenden Endspurt erreichten wir tatsächlich eine beleuchtete Anlegestelle - die Anlegestelle eines Hotels, wie sich herausstellte. Ich fand das praktisch und ließ gleich festmachen. Ich stand auf den industriell gefertigten Holzplanken des kleinen Bootshafens - ich war zurück in der Zivilisation. Mein Mitruderer half beim Entladen des Kanus, dann nahmen wir die Sachen und gingen die Holztreppe nach oben zu den Gebäuden, wo man uns schon entdeckt hatte. Ich bezahlte den Ruderer und wir verabschiedeten uns, dann brachte ich meine Sachen in den sauberen, kleinen Bungalow. Die Reise war zu Ende.
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