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Kiosko/Iroshima
Ein junger Mann von etwa 20 Jahren begrüßte mich – es war der Sohn des Dorfchefs und während dessen Abwesenheit verantwortlich für alle Angelegenheiten. Er und ein paar andere waren dabei, eine neue Schule zu bauen, und ein paar der Arbeiter waren offenbar besoffen. Keine angenehme Sache, ein lallender Indianer, der dir unbedingt etwas mitteilen will, während du dich mit einem anderen unterhältst. Die nüchtern Gebliebenen empfanden ihre besoffenen Kumpels ganz offensichtlich als peinlich, vielleicht als Menschen ohne Achtung vor sich selbst. Ich bekam einen Platz mit Aussicht über den Fluss zugewiesen, um mein Zelt aufzubauen. In Kiosko arbeitete man an Plänen, um die Siedlung touristentauglich zu machen. Anziehungspunkt sollte die nahe Lagune werden, in der sich nach Einbruch der Dunkelheit hunderte von Kaimanen tummelten. Von dem erhöhten Ufer aus konnte man den Fluss und alles, was darin schwamm, gut überblicken. Vor dem Abendessen versammelten sich die jüngeren Leute des Dorfes auf dem kleinen Fussballplatz hinter den Baracken, um ein kleines Spiel auszutragen, und ich schloss mich ihnen an. Hier spielten die Kleinsten, die kaum zehn Jahre alt waren, mit den Erwachsenen mit, und niemand nahm die Sache zu ernst, so dass es eine ganze Menge Spaß machte. Als es zu dunkeln begann, gingen in den Baracken die Kerzen an, und die Frauen begannen mit der Zubereitung der Mahlzeiten. Die Leute, die beim Fussballspielen geschwitzt hatten, gingen runter an die Anlegestelle, um sich zu waschen, und ich war etwas überrascht. Denn es dunkelte bereits, und keine hundert Meter entfernt von den planschenden Leuten konnte man mehrere Kaimane erkennen, die still und regungslos im Wasser lagen. Aber offenbar herrschte hier keine Gefahr, auch wenn ich mich selber abends immer etwas entfernt vom Ufer aufgehalten hatte.
Ich wurde in das Haus des jungen Dorfchefs eingeladen, wo ich die zwei Haustiere präsentiert bekam: ein kleiner Affe und ein anderes, geflügeltes Tier, welches ich zunächst für ein junges Huhn hielt, doch es stammte aus dem Urwald, wo es die Leute der Siedlung gefunden und adoptiert hatten. Nach der Mahlzeit stiegen wir zu dritt in mein Kanu, um auf die Lagune hinauszurudern. Davor hatten mich die Leute der Parkverwaltung ja eigentlich gewarnt, doch ich vertraute dem Wissen meiner Begleiter, die diese Umgebung kennen mussten wie ihre Westentasche. Schon von unserem Aussichtsposten oben an der Siedlung hatten wir zwei stattliche Kaimane gesehen, die vom anderen Ufer des Flusses in den Eingang der Lagune herübergeschwommen waren, und nun direkt am grasbewachsenen Ufer träge im Wasser hingen. Während wir in die warme Nacht hinausruderten, suchte ich mit meiner Stirnlampe das Schilf nach den reflektierenden Augen ab, und bald entdeckte ich nicht nur zwei oder vier, sondern zehn oder noch mehr Kaimanaugenpaare, die still und regungslos in der Dunkelheit lagen und sich nur bewegten, wenn wir mit unseren leisen Paddelschlägen zu nahe kamen. Bis zum Ende der Lagune müssen es dutzende, wenn nicht hunderte Kaimane gewesen sein, die wir in der Dunkelheit entdeckten. Manchmal ruderten wir auf eine regelrechte Wand aus gelblich leuchtenden Augen zu, die sich mit unserem Eintreffen langsam nach beiden Seiten öffnete. Ich war mir sicher, dass dieser Ort, nicht allzu weit von Puerto Rico gelegen, ein Potential zur Beobachtung dieser scheuen Tiere hatte.
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