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Ich will Gänsebraten
Angeln brauchte viel Zeit, und wieviel einfacher wäre es, eine der saftigen, schwarzweiss gefiederten Gänse zu schießen, die seit meinem Aufbruch in San Silvestre am Ufer und in den Bäumen gesessen und ihr Geschnatter hatten hören lassen. Leider peilten sie mich meist früher als ich sie, und einmal, als zwei von ihnen besonders mutig zu sein schienen und einfach am Ufer sitzenblieben, legte ich meinen Revolver an und schoss vermutlich meilenweit daneben - die Entfernung war einfach zu groß. Wollte ich leckeren Gänsebraten, einen leckeren Gänseschlegel mit Knoblauch gewürzt, so würde ich mich anschleichen müssen. Also versuchte ich es: ich zog meinen grünen Regenponcho über, um hoffentlich etwas besser getarnt zu sein, schlüpfte in die Gummistiefel, nahm den geladenen Revolver und machte mich zu Fuss auf in Richtung eines in der Ebene emporragenden Baumes, auf dem zwei der Gänse saßen. Vielleicht hundert Meter musste ich zurücklegen, um nahe genug - und bei meinem Revolver bedeutete das sehr nahe – an die Beute heranzukommen, während die Gänse natürlich die ganze Zeit die Umgebung misstrauisch beäugten. Was aber die Sache noch schwieriger machte, war, dass die Ebene vor mir vor allem aus sehr sumpfigen, mit kleinen Wasserläufen durchzogenem Gelände bestand, bewachsen mit mannshohen, dicht beieinanderstehenden Sumpfpflanzen. Anakondagebiet, nach allem, was ich vermutete. Ich wollte also doppelt aufmerksam sein, einerseits, um nicht die Gänse schon von weitem auf mich aufmerksam zu machen, andererseits, um nicht am Ende vom Jäger zum Gejagten zu werden. Gebückt machte ich mich auf den Weg, immer darauf bedacht, das hohe Sumpfgras als Sichtdeckung zwischen mich und die Gänse zu bringen, die weiterhin einfach auf ihrem Baum herumsaßen. Der Boden war schlammig und ich sank bis zum oberen Rand der Gummistiefel ein, und als ich einen kleinen Wasserlauf überqueren wollte, steckte ich auf einmal sogar bis zum Knie im Sumpf, so dass ich ersteinmal auf allen Vieren weiterkriechen musste. Der mit dem Sumpfgras bewachsene Boden war dann etwas fester, dafür sah ich kaum noch einen Schritt weit. Wenn hier ein Kaiman sein Mittagschläfchen hielt, würde es eine ziemlich unsanfte Überraschung geben. Doch ich war nun in einer ziemlich archaischen Jäger-Stimmung, und all diese Dinge bildeten nur Hindernisse auf dem Weg zum großen Ziel, der geschossenen Gans, dem großen Triumph. Ich bahnte mir weiter einen Weg durch das Dickicht, immer gebückt und hier und da nach dem Baume hin spähend. Als ich eine kleine Strecke zurückgelegt hatte, hob ich meinen Kopf etwas aus dem verbergenden Gras, um die Distanz zu den Gänsen abzuschätzen. In diesem Moment erblickten mich die Tiere, und mit dem typischen lauten Schrei erhob sich erst eine, kurz darauf auch die andere in die Luft und flog landeinwärts über die Ebene davon. Da stand ich nun, bis zum Knie mit Schlamm beschmiert und mit durchgeladenem Revolver inklusive Tarnüberhang, und schaute den Vögeln nach. Also doch wieder nur Reis, mit ein wenig Fisch vielleicht, wenn ich die Geduld zum Angeln denn aufbrachte. Ich drehte mich um und ging zum Kanu zurück.
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