15 
Manchester
Die schmale Wasserstrasse, die den Abfluss der Lagune bildete, an der Manchester lag, war in der Trockenzeit kaum zu befahren, und hin und wieder musste ich aussteigen und das Kanu über den sandigen Boden ziehen. Strömung gab es hier keine, und ich vermisste sie augenblicklich – wie langsam kam ich ohne das fließende Wasser voran! Ich ruderte vorbei an Sandbänken und aus dem seichten Wasser ragenden Baumstämmen und schreckte eine Herde Rinder am Ufer auf, so dass ich mich nicht mehr allzu weit von der Siedlung befinden konnte. Auf einmal entstand vor meinem Kanu ein Sog, und mit einem lauten Knall verschwand irgendetwas in den braunen Wassern der Lagune. Plötzlich fühlte ich mich in meinem Kanu gar nicht mehr so sicher – Angst! Ich hatte tagelang paddeln müssen, um dieses Gefühl nun einmal sehr deutlich kennenzulernen.
Hinter einer weiteren Biegung tauchten die ersten Anzeichen menschlicher Anwesenheit auf. Von weitem sah es aus wie ein Schiffsfriedhof, denn mehrere Kähne lagen am Ufer und warteten ganz offenbar auf die drei oder vier Monate im Jahr, in denen Manchester vor Menschen nur so überströmte – die Saison der castaña-Ernte. Hinter den Kähnen und auf der anderen Flussseite stiegen dichte, dunkle Rauchwolken in den Himmel, und die Luft war vom Geruch der brennenden Vegetation erfüllt – Rodungsarbeiten, vermutlich. Ich legte an und bemerkte, dass das Ufer voller Müll war, leere Konservendosen, Verpackungsreste, Eisenschrott. Ich ging hinauf zum nächstgelegenen Grundstück und fand eine alte Frau mit ihren kleinen Enkeln vor, die bis zu meinem Eintreffen ganz offensichtlich in den Hängematten gedöst hatten. Ich erklärte den Grund meines Hierseins und fragte nach einem Lagerplatz. Dann erledigte ich mein übliches Lagerritual, das aus Zeltaufbau und Körperwäsche bestand, und ging anschließend zu den hölzernen Kähnen hinüber, um meinen Gastgebern etwas fürs Abendessen zu fangen. Nun, mit Einbruch der Dunkelheit, erwachte die Lagune zum Leben, und es ging erkennbar unter der Wasseroberfläche ein Fressen und Gefressenwerden vor, das so schon immer ein Teil des Dschungels gewesen ist. Ich hatte rasch ein paar Sardinas beisammen und warf den großen Haken in die Mitte der Lagune. Nicht lange musste ich warten, und ein wunderschöner, gelb-silbern gefärbter und recht schwerer Piranha hing mir an der Angel, und nach wenigen Minuten noch ein zweiter. Eine Gruppe von Arbeitern, die auf der anderen Flussseite Gelände gerodet hatten, kamen mit ihrem Einbaum angefahren und legten unweit der Stelle, an der ich angelte, am Ufer an. Einer davon war der Sohn der Alten und Vater der Kinder, die ich oben am Haus gesehen hatte.
15 