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In der Regenzeit wird der Rio Manuripi wohl von zahllosen Urwaldbächen gespeist, von denen jetzt in der Trockenzeit nur das Flussbett übrigblieb. Diese meist von Unterholz und Gestrüpp freien Flussläufe waren für mich ein idealer Ort zum Zelten, und so auch diese Nacht. Direkt an einer Flussschleife und gegenüber eines schönen Strandes fand ich, zwischen meterhohen Bambusstengeln, einen geeigneten Ort. Wie immer befestigte und entlud ich zuerst das Kanu. Meine Waffe trug ich nun am Gürtel, die Gummistiefel hatte ich ebenfalls an. Nachdem ich die Ausrüstung am auserwählten Ort abgesetzt hatte, baute ich zunächst das Zelt auf. Stand dies, nahm ich die Lebensmittel aus der wasserdichten Tonne, befestigte ein Seil daran und schöpfte mir damit Wasser aus dem Fluss. Mit diesem kühlen Wasser wusch ich mir ersteimal den Schweiss ab, dann wechselte ich Hose und Hemd für den restlichen Teil des Abends. Nun ging es darum, das Abendessen zuzubereiten. Ich suchte mir trockenes Holz in der Gegend zusammen und entzündete ein kleines Feuer. Links und recht der Feuerstelle rammte ich zwei gabelförmige Äste in den Boden, um an einem darübergelegten Ast meinen Topf ins Feuer zu hängen. Während ich mit diesen Dingen beschäftigt war, war es vollends dunkel geworden, und die Geräusche des nächtlichen Urwalds erklangen um mich herum. Ich war immer sehr froh, wenn ich um diese Zeit das Feuer bereits im Gange hatte, und dennoch hörte ich nicht auf, den nahen Wald mit meiner Stirnlampe abzuleuchten – nach reflektierenden Katzenaugen. Hatte ich gegessen, zog ich mich ins Zelt zurück, das ich mit dem Eingang Richtung Fluss aufgebaut hatte. Revolver und Messer legte ich mir ans Kopfende, dann markierte ich den aktuellen Lagerplatz im GPS-Gerät und prüfte vielleicht noch die Karte, um die morgige Etappe ein wenig kennenzulernen. Dann lag ich, nur noch in kurzer Hose, auf dem Bettlaken und hörte hinaus auf die Geräusche, bis ich meist ganz von alleine einschlief.
Ich wollte hier etwas Essbares finden, aber auch Pampelmusen oder Zitronen für mein chlorhaltiges Flusswasser wären mir willkommen gewesen. Ich sah zwei oder drei Männer mit ihren Frauen, die an der offenen Seite des Hauses in den Hängematten lagen. Die Männer begrüßten mich, dann überließen sie den Frauen das Feilschen mit mir um die Lebensmittel. Es gab ein paar Hühner, und ich fragte nach dem Preis. Ich schlug auch vor, mit Coca zu bezahlen, was gerne angenommen wurde. Dann war die ganze Familie damit beschäftigt, das Huhn einzufangen, welches sein Schicksal zu erahnen schien und sich davonmachen wollte. Ich half ein wenig mit, und als das Huhn sich unter das Haus zu retten versuchte, war es umzingelt und ihm wurden die Beine zusammengebunden. Ich nahm es und legte es in den Schatten, um über weitere Dinge zu verhandeln. Die Frauen fragten mich nach Zahnpasta für die Kinder. Ich hatte nur meine eigene Tube dabei und ging zurück zum Kanu, um sie zu holen. Ich machte ihnen klar, dass ich selber nicht mehr hatte, und drückte die Hälfte der Tube leer. Was das koste, wollten sie wissen. Ich wollte nicht zu kleinlich sein und winkte ab. Im Gegenzug wurde ich freundlich zum Essen eingeladen, es gab knusprigen Piranha und Reis. Ich saß zusammen mit den Kindern in der kleinen Wohnküche, und die kleine Tochter schaute mich mit großen Augen an, während sie ihre Piranhahälfte aß, mit Knochen und Gräten, dass es nur so knackte. Zurück beim Kanu verstaute ich das Huhn unter der schattigen Sitzbank und ruderte weiter, Richtung Hiroshima.
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