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Ein neues Kapitel
Zu Fuss erreichte ich die Stadt El Calafate. Grosse klimatisierte Geländewagen mit frisch frisierten Hausfrauen am Steuer fuhren an mir vorbei. Seltsameres hätte man mir fast nicht bieten können, nach den Wochen in 28 de Noviembre und in den einsamen Bergen.
Alles in allem gab mir El Calafate das, was ich erwartet hatte, und als ich nach vier langen Tagen endlich alles erledigt hatte und meinen Rucksack schulterte, konnte ich wieder aufatmen. Es ging wieder raus.
Nun erfuhr ich das erstemal, was es für mich als Fussgänger bedeutete, um einen See von hundert Kilometer Länge herumzumüssen. Die Vegetation war steppenartig, Wasserläufe gab es ausgesprochen selten, und das trübe Wasser vom Ufer des Sees wollte ich nur in Ausnahmefällen trinken. Am Ostufer entlang traf ich wieder meine alte Bekannte die Ruta 40, und damit auch die Monotonie des Wanderns auf dieser Strasse. Ich entschloss mich, den Daumen rauszuhalten, und erreichte so abends noch den Rio Santa Cruz, wo Melanie und Ingo aus Deutschland ihr Lager bereits aufgeschlagen hatten. Mit dem Rad aus Kalifornien kommend, waren sie kurz davor, ihre Reise in Ushuaia zu beenden. Ein argentinischer Architekt, der mich in seinem Wagen mitgenommen hatte, versprach mir noch, sich über eine Möglichkeit bezüglich des Eisfeldes zu erkundigen. Ich solle bis morgens um Neun Uhr an Ort und Stelle bleiben, dann würde er auf dem Weg zur Arbeit in El Chalten wieder vorbeikommen und vom Ergebnis seiner Erkundungen berichten. So wie er das sah, gab es in El Calafate reihenweise Agenturen, die eine Wanderung auf dem Eisfeld organisieren konnten. Ich hatte keine einzige davon getroffen. Am Morgen fuhren die beiden Radler zeitig los, um dem höllischen Westwind, der meist kurz vor Mittag einsetzte, noch ein paar Stunden abluchsen zu können. Gegen zehn Uhr packte auch ich meine Sachen, da der Architekt offenbar nicht mehr erscheinen würde, und setzte meinen Weg fort.
Mit etwas Glück kam ich rasch an die Stelle, an der die einsame Strasse entlang des Nordufers von der Ruta 40 abzweigte. Ich wollte nun, die Berge des Eisfeldes vor mir, ans andere Ende des Sees zurückmarschieren, rund hundert Kilometer, und mich dann am Brazzo Norte nach Norden zur Estancia Christina durchschlagen, die der Ausgangs- und Zielpunkt vieler Expeditionen war. Dann wollte ich durch ein schmales Tal am Fusse des Cerro Norte an den Lago Viedma im Norden gelangen, diesen ebenfalls umrunden, um schliesslich El Chalten zu erreichen.
Als ich gerade zwanzig Minuten gegangen war, hörte ich hinter mir Motorengeräusche und sah kurz darauf einen Wagen um die Biegung kommen. Ich war etwas überrascht und hielt ohne zu Zögern den Daumen raus; die Strasse endete im Westen irgendwo in der Natur, weswegen hier eigentlich nur die Fahrzeuge der Estancias fuhren. Hier traf ich jedoch auf zwei Damen aus El Calaftae, die ihren freien Tag hatten und die Gegend im Auto erkundeten. Ich kämpfte ein wenig mit meinem Gewissen: Seit gestern war ich praktisch nur noch per Anhalter unterwegs gewesen, wenn auch meist von Ost nach West, und nur wenige Kilometer in Nord-Südrichtung. Doch ich sollte mich nicht lange quälen, denn höhere Umstände beendeten unseren kleinen Ausflug in die Natur. Nachdem wir ein Gatter nach dem anderen durchfahren hatten, war auf einmal Schluss: "Naturreservat: Durchfahrt nur für authorisierte Personen!" stand auf einem Schild, das Gatter war mit einer Metallkette verschlossen.
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