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Gerade zimperlich waren diese Leute nicht: um zwischen den Bäumen parken zu können, fuhren sie mit ihren Autos durch das seichte Wasser des Ufers, und das Geschirr wuschen sie mit Spülmittel in einem kleinen Bach, der in den See floss. Doch das Wochenende hatte auch sein Gutes: ich fing meine erste Forelle mit meiner Konservendose und ich wurde gesund und fühlte mich fit, um weiterzumarschieren. Ausserdem lernte ich Melissa kennen, einundzwanzig Jahre jung und vermutlich die Cousine von Alejandro, so ganz habe ich das nicht verstanden. Sie war hübsch und arbeitete im Krankenhaus von Porvenir.
Sonntag nachmittag gegen zwei Uhr fuhren alle zurück nach Porvenir, und bei Pampa Guanacos machte der ganze Tross halt, da ich mich ja dort von ihnen verabschieden musste. Bei der Gelegenheit gab ich Alejandro meinen Laptop zur Aufbewahrung - drei oder vier Wochen später wollte ich ihn mir bei meiner Ankunft in Porvenir wieder abholen. Alejandro versprach mir noch ein grosses Festessen mit Beefsteak und Pommes, dann fuhren alle weiter.
Ich wurde von den Carabiñeros freundlich zum Abendessen eingeladen, und ich liess mich nicht lumpen; ich war immer wieder überrascht von der unkomplizierten Art der Polizisten auf dem Lande. Als man mir die Mayonnaise anbot, strich ich mir davon so lange aufs Brot, bis einer der Carabiñeros mit einer eleganten Handbewegung den Deckel aufs Glas setzte - hier, abseits jedes Supermarktes, besassen solche Dinge einen ganz eigenen Wert.
Bevor ich weitererzähle, möchte ich kurz ein paar Worte verlieren über die Gegend, die nun vor mir lag. Es handelt sich dabei um die Bergwelt südlich des Lago Blanco. "Diese Gegend", so hiess es in einem Reiseführer, "ist praktisch unbesiedelt und kaum zugänglich." Diese paar Worte hatten in Deutschland mein Interesse geweckt - keine Wege, keine Estancias, keine Dörfer, Städte, Menschen; nur Berge und im Süden und Westen die Fjorde und Kanäle des feuerländischen Archipels.
So schön, so gut, doch das grösste Problem war eigentlich, dass über diese Gegend kaum brauchbare Auskünfte zu erhalten waren. Die Leute des Jagd- und Angelclubs hatten mir Geschichten erzählt von Menschen, die dort spurlos verschwunden sein, verschiedenen "gefährlichen" Tierarten wie dem roten Fuchs, wilden Stieren et cetera. Doch die Schwierigkeiten stellten sich für mich eher bezüglich der Menge an Nahrungsmitteln, die ich für die Durchquerung dieser Wildnis benötigen würde. Vorsichtshalber rechnete ich mit einem Zeitraum von drei Wochen - Lebensmittel hatte ich aber nur für vierzehn Tage dabei, und bei den Carabiñeros liess sich nichts kaufen. Als ich also von Pampa Guanacos losmarschierte, war es alles andere als sicher, ob die Durchquerung überhaupt würde stattfinden können.
Bis zum Lago Blanco waren es rund zwanzig Kilometer, und dort angekommen musste ich mich entscheiden: der Weg nach Süden entlang des Seeufers wirkte abenteuerlich; steile Hänge und Wald, und weiter entfernt die Ausläufer der Sierra Injugoyen und bei gutem Wetter zu erkennen die alles überragenden Gipfel der Darwin-Kordillere. Der Weg nach Norden, der "sichere" Weg, der mich in die unmittelbare Nähe der Nationalstrasse führen würde, wirkte dagegen so aufregend wie kalte Fischsuppe: flaches, bewaldetes Ufer so weit das Auge blickte. Und doch - entschied ich mich für diesen Weg, denn ich hatte einfach nicht genügend Lebensmittel dabei!
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