Hier berichte ich über die aktuellen Geschehnisse meiner Reise, bringe Gedanken, die meine persönliche Sichtweise wiederspiegeln, stelle neue Fotos rein und schreibe über meine weiteren Pläne.
Paris, den 25. September 2009

Seit Wochen blockieren die Neuigkeiten - wobei dieses Wort schon fast zuviel des Guten ist - aus der deutschen Politik die Internetpräsenzen von Seiten wie spiegel.de oder faz.net. Als gäbe es irgendetwas zu erwarten, auf käme es auf irgendetwas, was dieser oder jener Politiker von sich gibt, an: es wird ihnen, mir kommt es vor mehr aus Gewöhnung und aus Hilflosigkeit, bereitwillig eine Plattform geboten für die Verbreitung ihrer hundertmal in Variationen gehörten Halbwahrheiten, Belanglosigkeiten und leeren Floskeln.
Es scheint mir wirklich so: es herrscht der totale Stillstand. Was wirklicher Wandel, was wirkliche Veränderung ist, wissen die meisten nicht aus eigener Erfahrung. Selbst jemand wie Obama, dem ich den Willen zu wirklichen Veränderungen zutraue, scheint nicht weiterzukommen. Ihn ereilt dasselbe Schicksal wie alle ambitionierten Politiker. Was läßt das für einen Schluss zu? Den, dass ein einzelner heute nichts verändern kann, dass ein Politiker, wie groß seine Ambitionen auch sein mögen, in den bestehenden Macht- und Interessensverhältnissen aufgerieben wird.
"Alles Gute kommt von oben" heisst es, doch ein von oben angeordneter Wandel scheint nicht machbar. Aber vielleicht - von unten? Die Macht, welche die Institutionen, die für den Status Quo verantwortlich sind, innehaben, basiert meiner Meinung nach vor allem auf ihrer Kontrolle über die breiten Massen, und auf der Passivität und Abgelenktheit dieser Massen. Ziviler Ungehorsam, ein Wegschlagen der Stützen dieser etablierten und sich in Sicherheit wähnenden Inhaber der Macht scheint mir ein Weg, um auf Dauer ein Leben zu schaffen, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht - und nicht der Konsum, nicht die Arbeit, nicht die Politiker, nicht die Verbote, nicht die Wirtschaft.
Paris, den 19. Mai 2009

"Le Baiser"

Rodin 'Le Baiser'
Tuillerien, 19. Mai 2009.

Grüsse aus Paris
Michael


Paris, den 17. März 2009

Das Leben eines Kuriers
Wollten Sie nicht schon immer einmal wissen, wie es ist, in Paris seinen Lebensunterhalt als Radkurier zu verdienen? Vielleicht nicht, aber wenn doch, dann schreibe ich hier ein wenig aus meinem Alltag: Klick.

Grüsse aus Paris
Michael


Freiburg im Breisgau, den 28. Mai 2008

Michi's Filmtipps
Es ist Zeit für eine neue Ausgabe von Michi's legendären Filmtipps. Heute möchte ich einen Film vorstellen von einem Regisseur, der der Beste sein dürfte im Umkreis von einigen tausend Kilometern. Gemeint ist Fatih Akins "Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul". Ich habe mich zugegebenermaßen nie besonders für die türkische Kultur interessiert, die Musik eingeschlossen. Das Kunststück, welches dieser Film nun vollbringt, ist, diesen Zustand zu verändern. In den knapp neunzig Minuten, in denen die Kamera Alexander Hacke, den Bassisten der Einstürzenden Neubauten auf seinem Weg durch die Metropole begleitet, erlebe ich die Stadt als ein vibrierendes, abenteurliches Chaos am anderen Ende Europas. Aber was noch härter kommt, ist die Musik, die wie in kurzen Videoclips und ohne allzu viel Bezug zueinander und zum Teil auch recht unprätentiös performt wird. Auf einmal erhalten diese ganzen seltsamen anatolischen Rocker mit ihrem noch seltsameren Gesang ein Gesicht und eine Geschichte, man lernt von ihrem Kampf gegen türkische Konventionen, die einem, auf den Westen übertragen, zum Teil sehr bekannt vorkommen. Der Unterschied dürfte lediglich sein, dass man von den meisten dieser Musiker noch nie etwas gehört hat.
Der Film ist nicht sehr viel mehr als ein Einstieg, als ein Panorama der Möglichkeiten der türkischen Musikszene in Istanbul, doch er vermittelt mir dieses sommerliche "draußen auf der Straße sein und es erleben" - Gefühl, dass ich eben nur aus südeuropäischen Städten kenne. Ob der Film musikhistorisch korrekt ist oder einen adäquaten Überblick verschafft über den Zustand der türkischen Musik, ist mir relativ schnuppe. Wer an einen solchen Film objektiv herangehen möchte, soll es tun, ich werde mich jedenfalls davor hüten.

Crossing The Bridge: The Sound Of Istanbul

Grüsse aus Freiburg
Michael


Freiburg im Breisgau, den 26. Mai 2008

Privat- und Betriebshaftpflichtversicherung, Unfallversicherung, Krankenversicherung, Auslandsreiseversicherung, Ordnungsämter, Rechtsanwalt, Arbeitserlaubnis, Impfschutz, Zahlungsversäumnis; man braucht schon einen eisernen Willen, nur um das ganz normale Leben zu meistern...

Grüsse aus Freiburg
Michael


Freiburg im Breisgau, den 12. April 2008

Wenn man eine Zeitschrift wie den SPIEGEL drei oder vier Wochen hintereinander liest, kommt es einem vor, als würde die Gesellschaft nur noch von Größenwahn regiert: machtgeile Greise und ihre Intrigen, ganze Länder (wie Tibet), die zu einer Figur auf dem Schachbrett von rivalisierenden Mächten werden, und milliardenschwere Russen, die in Deutschland auf Einkaufstour gehen wie Tante Else beim Edeka. Alle “normalen” Maßstäbe gehen hier über Bord, es geht scheinbar überall nur noch um Summen und Ziele, die den meisten Menschen völlig fremd sind. Das einzige Ideal, das es noch gibt, ist, wie es scheint, das An-sich-raffen von möglichst viel Geld und Macht. Und die Vertreter dieser “Lehre” werden auch noch als Elite der Gesellschaft hingestellt, dabei sind sie lediglich die Rendite-Elite. Menschliche Maßstäbe, Vernunft, Gelassenheit oder einfach nur hier und da ein klares Wort sind nirgends wahrzunehmen. Ich glaube, es wird Zeit, dass ich mir von all dem mal wieder eine Auszeit nehme – um den Blick über diesen Suppentellerrand hinaus nicht völlig zu verlieren.

Grüsse aus Freiburg
Michael


Freiburg im Breisgau, den 5. März 2008

Vor mehreren Monaten erhielt ich eine Mail von der Redaktion des Radiosenders RPR1 - sie hatten meine Webseite entdeckt und für interessant befunden. Ob ich mich für ein kurzes Gespräch in ihrem Koblenzer Studio einfinden könne? Ich war mir nicht so sicher, da mir das mündliche Erzählen bisher nicht so frisch und locker von der Leber ging, doch schließlich machten wir doch einen Termin aus. Letztes Wochende war es dann so weit, und Minako und ich fanden uns in Koblenz ein, um eine Folge für die Sendung "Mein Abenteuer" aufzuzeichnen. Die Ausstrahlung erfolgt dann am 6.4.2008 zwischen 10:00 und 13:00 Uhr, eine Wiederholung gibt es am Dienstagmorgen zwischen 0:00 und 3:00 Uhr. Hier noch der Link zur Vorschau: RPR1 Vorschau. Dort kann man die Sendung auch über Internet hören.

Zu Gast beim RPR1

Viel Spaß beim Zuhören!

Grüsse aus Freiburg
Michael


Freiburg im Breisgau, den 28. Oktober 2007

Endlich habe ich mir mal die Zeit genommen und das Tagebuch zu meiner Urwald-Expedition hier auf die Seite gestellt. Ich habe nicht wirklich versucht, einen Text im Stile einer Erzählung zu verfassen, vielmehr habe ich einfach die Ereignisse, die mir interessant erscheinen, in chronologischer Reihenfolge festgehalten. Die Lücken, die dazwischen nicht beschrieben werden, bestanden eigentlich meist aus paddeln, paddeln, paddeln...
Dass ich die Fotos der Reise nicht mehr habe, tut mir immer noch weh, auch wenn ich weiß, dass dieser Katzenjammer gar nichts bringt und ich zu einem guten Teil selber schuld bin am Verlust. Ich hoffe mal, dass ich aus dem Schaden klug werde. Und jetzt viel Spaß für all die Leute, die mal einen Urwaldbericht aus erster Hand lesen wollten.

Grüsse aus Freiburg
Michael


Perpignan, den 11. August 2007

Ich habe die Schnellnavigation der Berichte überarbeitet, sie funktioniert nun komplett mit AJAX. Was das ist? AJAX ist ein auf XML, JavaScript und noch so'n paar Sachen basierendes Konzept, welches mir ermöglicht, Dinge vom Server abzufragen, ohne dass die Seite neu geladen werden muss. AJAX ist im Moment ziemlich "hipp", und da ich Lust hatte, mal wieder was Neues zu lernen, habe ich mich in den letzten Tagen etwas intensiver damit beschäftigt, und das Resultat ist diese erste Mini-AJAX-Anwendung. Andere Leute haben schon komplette Browser-Bildbearbeitungsprogramme damit realisiert. Einziger Stolperstein bei AJAX ist eigentlich JavaScript, um das ich bisher immer einen Bogen gemacht habe. Aber seit ich sehe, dass man damit mehr machen kann als blinkende Navigationbuttons, bin ich der Sache nicht mehr ganz so abgeneigt.

AJAX

Grüsse aus Perpignan
Michael


Perpignan, den 23. Juli 2007

Neu im Boot ist die Unterseite "Zeichnungen", auf der ich ein paar der künstlerischen Versuche zeigen möchte, die ich vor fast zehn Jahren unternommen habe. Ich habe mich dabei vor allem mit dem Bleistift, aber auch Kohle oder Aquarell geübt. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr, bzw. beschlich mich das Gefühl, über einen gewissen Punkt nicht hinauszukommen. Also ließ ich meine Versuche sein, was ich, wenn ich die Zeichnungen heute anschaue, eigentlich bedauerlich finde. Aber wer weiss, vielleicht gibt es bald einen neuen Start...?

Selbstportrait

Grüsse aus Perpignan
Michael


Perpignan, den 24. Juni 2007

Manchmal scheint es mir, als hätte ich erst 30 Jahre alt werden müssen, um mit etwas Distanz und Ruhe über mein Leben nachdenken zu können. Wie es scheint, lebe ich seit 13 Jahren in einem Zustand der Depression. Die Symptome weisen jedenfalls stark darauf hin. Und wie sonst ließe es sich erklären, dass ich mit all meinen Anlagen und Talenten, mit all den Gefühlen und mit all der Intelligenz immer noch in einer Nullexistenz festsitze?

Grüsse aus Perpignan
Michael


Sete, den 13. Februar 2007

Vor einiger Zeit schrieb ich das Field Museum in Chicago an, weil ich durch die Leute des naturwissenschaftlichen Museums in Cobija, Bolivien auf die "Rapid Color Guides" gestossen war. Ich hatte im Vorfeld meiner kleinen Expedition das Internet nach Bilderbibliotheken der einheimischen Fauna durchsucht. Doch Fehlanzeige. Bis mir eben die Museumsleute den entscheidenden Tipp gaben. Damals wurde die Idee geboren, einen kleinen, eine erste Übersicht bietenden "Wildnis-Führer" für die südamerikanischen Tropen zu erstellen, oder zumindest für Nordbolivien und die angrenzenden Gebiete.

Die Idee ist immer noch da, doch leider können mir die Leute des Field Museums keine Fotos aus Ihren Color Guides zur Vefügung stellen. Aber eine Art "Wildnis-Wiki" wäre ja auch vorstellbar.

Grüsse aus Sete
Michael


Sete, den 3. Februar 2007

Seit Wochen und Monaten habe ich nichts mehr geschrieben. Irgendetwas blockiert mich komplett. Wenn ich doch versuche, ein paar Zeilen zu schreiben, kommt nur unsäglicher Müll dabei heraus, der von einer anderen Person geschrieben worden zu sein scheint. Egal, was ich sage, egal was ich schreibe: ich treffe "Es" nicht. Es ist zum Mäusemelken. Ich bitte also um Geduld, bis die Dinge wieder in Bewegung gekommen sind.

 

...er muss das Chaos in sich organisieren, dadurch dass er sich auf seine echten Bedürfnisse zurückbesinnt.

Nietzsche in den "Unzeitgemässen Betrachtungen"

Grüsse aus Frankreich
Michael


Kourou, den 22. Dezember 2006

Parlez-vous pommes frittes? Wenn nicht, ist's auch nicht so schlimm: auch mit Spanisch, Portugiesisch, Taki-Taki, der hiesigen Form des Kreolisch, Englisch, Chinesisch und diversen anderen Mundarten kann man sich durch's Leben schlagen. So wie viele hier, die ganz offensichtlich illegal in Franzoesisch Guyana leben, weil man hier noch etwas verdienen kann.

Bekannt und berüchtigt wurde das Land vor allem durch die Strafkolonie, die Frankreich bis in die fünfziger Jahre unterhielt, und deren Ruinen noch heute auf den Heilsinseln zu besichtigen sind. Ein paar "Berühmtheiten" hat das Straflager auch hervorgebracht; Papillon, Dreyfuss und andere. Von ersterem sagen die Einheimischen hier, er sei vor allem ein Lügner gewesen, der sich mit fremden Federn schmückte, und tatsächlich ist nur ein Fluchtversuch von ihm wirklich verbrieft, und nicht von den Inseln, sondern von einem Lager im Landesinnern.

In bald einer Woche geht mein Flieger von Cayenne nach Paris. Ich weiss mal wieder nicht, wie oder wo ich Neujahr verbringen soll. Aber das war ja schon immer so.


Kourou, den 9. Dezember 2006

Nachdem ich in Skelden, British Guyana, ausgeraubt wurde, setzte ich meinen Weg nach Französisch Guyana fort.

Meine Ausrüstung besteht nur noch aus ein paar wenigen Sachen, so als wollte mir das Schicksal persönlich mitteilen, dass meine Südamerikareise nun zuende ist. Im französischen Überseedepartement angekommen, führte ich erstmal meine Augen ein wenig spazieren: Ortschaften, die nicht einfach nur aus dem Boden gestampft wirken, und Menschen, die "Merci" sagen, anstatt einem misstrauisch zu beäugen.


Porto Velho, den 16. Oktober 2006

Ich glaube, die paar Tage auf dem Rio Manuripi haben mich nicht ganz ausgelastet. Jedenfalls hatte ich nach ein paar Tagen Cobija und Brasiléia dermassen die Schnauze voll vom Herumsitzen und vom Leben in der Stadt und dem ganzen Grenzstadt-Kommerz, dass ich mir bei einem Fahrradmechaniker einen Drahtesel für achtzig Reales kaufte, dazu zwei preiswerte Rucksäcke, die ich an den Gepäckträger hängte, allen überflüssigen Kram zurück nach Europa schickte und mich in den Sattel schwang, um erstmal nach Rio Branco zu radeln. Die Strecke sollte ja sehr gut asphaltiert sein, und war es auch. Rio Branco überraschend schön, fast fühlte ich mich in Spanien: Fussgängerbrücken über den Rio Acre, Promenaden am Flussufer und bunt gepinselte Fassaden. Und das sauberste Hotel, in dem ich bisher in Südamerika genächtigt habe. Wen es verwundert, dass ich das hervorhebe: nach Wochen und Monaten in den billigen Absteigen kann ich den Rotz an den Wänden und die Gemeinschaftsklos, wo die Knödel noch in der Suppe schwimmen, einfach nicht mehr sehen. Deshalb meine neue Strategie: unterwegs im Zelt pennen, und in den Städten dann in eine Bleibe, wo man noch ein bischen leben kann.

Jetzt habe ich die siebenhundert Kilometer nach Porto Velho erstmal hinter mir. Doch der harte Teil begänne nun erst: Asphalt ade, Hallo Piste! Dazu kommt, dass hier irgendwann die Regenzeit einsetzt, und dann wird das Reisen auf den unbefestigten Strassen zur offenen Schlacht, wie ich bereits in Bolivien kurz miterleben konnte.

Es gibt zudem zwei Strassen von Porto Velho aus: eine nach Manaus, jener berühmten Dschungelmetropole am Amazonas, eine andere nach Santarém, ebenfalls am Amazonas, aber weiter östlich. Wieder weiter flussabwärts geht dann eine andere Piste durch die Provinz Amapa nach Französisch Guyana, meinem eigentlich erklärten Ziel. Aber vielleicht nehm ich ja einfach den Flieger, weil ich auf Schlamm an den Füssen keine Lust habe.

Grüsse aus Brasilien
Michael


Brasiléia, den 5. Oktober 2006

So, ich bin wieder zurück. Zwölf Tage paddelte ich den Rio Manuripi hinunter, bevor ich am letzten Tag einen zusätzlichen Ruderer anheuerte und in einer irren Hatz durch die Nacht im Hafen von Puerto Rico anlangte. Oder eigentlich eher im Hafen des Hotels Manuripi, wo ich erstmal die Cola- und Fantadosen aus der Kühltruhe wegtrank. Wie ich nun zu meinem Kanu gekommen bin und was ich alles gesehen habe, warum Teig eine wichtige Rolle spielt im Leben am Fluss und welche Farbe die Augen der Kaimane in der Nacht haben, werde ich demnächst in einem kleinen Reisebericht schildern.

Ausserdem habe ich gestern Bolivien hinter mir gelassen und bin nun in der kleinen Grenzstadt Brasiléia. Mal sehen, was in den nächsten Tagen so alles passieren wird.

Grüsse aus Brasilien
Michael


Cobija, den 15. September 2006

Alle Arbeiten wurden abgeschlossen, alle Gegenstände, die noch nötig schienen, besorgt. Was gibt es noch zu tun? Nur auf morgen zu warten...

Kleine Collectivos fahren regelmässig die Strecke Cobija - Manuripi. Dort werde ich dann sehen, wie es weitergeht. Die Parkwächter werden vermutlich eine gute Adresse sein, um das Kanu aufzutreiben. Ich bin einigermassen zuversichtlich, dass alles soweit klappen wird.

Ein Dankeschön an alle, die sich jemals für diese Seite und damit meine Unternehmungen interessiert haben und interessieren werden, sowie an alle, die mich unterstützt haben: Mein Vater, meine Mutter, meine Oma, Schwesterlein sowie Anja und Jim, jeweils am anderen Ende der Welt.

Bis dann, Grüsse aus Cobija nach Deutschland,

Michael


Cobija, den 14. September 2006

Aktuelle Position: Alojamiento Cocodrilo, Zimmer 8. S 11°01.121'  W 068°45.233'. Der Tag des Aufbruchs rückt näher. Ich hatte Glück und habe in einer Ferreteria sogar Teer und Nägel gefunden. Damit will ich eventuell nötige Instandsetzungen an der canoa durchführen. Fehlt nur noch das schöne Madel, dass mir abends den Reis kocht und den Fisch ausnimmt.

Marcello, der Reptilien-Experte des öffentlichen Museums, hat mir heute noch ein wenig über die Situation erzählt. Überrascht war ich, zu hören, dass es im Rio Manuripi viele schwarze Kaimane geben soll. Ich dachte bisher, diese Spezies wäre sehr stark gefährdet und würde nur noch in irgendwelchen abgelegenen Reservaten in Peru in grösserer Zahl vorkommen. Nun, Manuripi ist ja auch nicht gerade im Zentrum des Weltgeschehens, und so gesehen dürfte es eigentlich niemanden verwundern, wenn seltene oder sogar der Wissenschaft bisher unbekannte Spezies dort eine der letzten Zufluchtsstätten gefunden hätten.

Coca, Zigaretten und Gasolina - so sieht nach der Aussage meiner Bekannten hier die Wunschliste der Menschen in den Dörfern am Flussufer aus. Brauchen sie auch Medikamente? "Coca, das ist ihre Medizin" hiess es. Also habe ich gleich ein halbes Kilo dabei, um die Leute hoffentlich ein wenig für mich zu gewinnen. Schliesslich bin ich bis zu einem gewissen Punkt darauf angewiesen, in den Siedlungen am Fluss meine Nahrungsmittelreserven aufstocken zu können.

Ich kann es in manchen Augenblicken kaum noch erwarten, endlich loszulegen. Doch übergrosse Eile könnte ein Fehler sein. Irgendwann wird es soweit sein, und ich werde alleine durch den Dschungel paddeln. Mitten hinein in die unbekannte Welt.

Grüsse aus Cobija
Michael


Cobija, den 13. September 2006

Noch vor drei Wochen war ich unschlüssig, wie es weitergehen soll, und nun steht das nächste Abenteuer bereits vor der Tür. Die Ausrüstung ist auch beisammen, nach Tagen und Wochen, endlich. Nur das GPS-Gerät fehlt noch. Bisher fühlte ich nie die Notwendigkeit für ein derartiges Spielzeug. Diesmal ist das anders: zusammen mit der Karte werde ich meinen Standpunkt auf ein paar hundert Meter genau bestimmen können - eine wertvolle Hilfe, da es an markanten Landschaftsmerkmalen mangeln dürfte.

Ziemlich stolz bin ich ehrlich gesagt auf mein selbst gebasteltes Revolverhalfter, deshalb hier eine kurze Bauanleitung:
Zuerst besorgte ich mir bei einem Schuhmacher im Mercado Central ein wenig Leder. Dann zeichnete ich auf ein Blatt Papier die "Rohform" des Halfters und übertrug die Umrisse auf das Leder.

Mit einem Teppichmesser schnitt ich die Form des Halfters aus dem Lederstück und fixierte das Ganze mit Klebeband, um es nun noch besser an den Revolver anpassen zu können.

Danach ging ich zu Don Antonio, einem Freund des Schuhmachers, um den Druckknopf für den Lederriemen, der den Revolver im Halfer hält, erledigt zu bekommen. Don Antonio hatte gerade keine Zeit und sagte, ich solle um drei Uhr nachmittags wiederkommen. Entgegen meines besseren Wissens hielt ich mich daran - und natürlich war um drei Uhr niemand im Laden. Als die Arbeit am nächsten Tag dann endlich erledigt war, gab es das nächste Problem: der dicke Don Antonio hatte keine passenden Nieten, um das Halfter fertigzustellen.

Also ging ich zurück zu dem Schuhmacher. Der hatte das nötige Material auf Lager und ebenso eine kurbelbetriebene Leder-Nähmaschine. Nach einer halben Stunde war mein Revolverhalfter fertig und somit eine Sache mehr auf meiner Liste erledigt.

Die Parkverwaltung hat mir gestern, nachdem ich sechs Mal in ihren hohen Hallen aufgekreuzt war, endlich die Bewilligung für mein Unternehmen erteilt. Das vorgedruckte Formular, das der Direktor dazu ausfüllte, lässt vermuten, dass kaum jemals ein nicht-wissenschaftlicher Besucher den Park betritt. Von "Name der Expedition", "Verwendete Ausrüstung" oder "Zusammenfassende Beschreibung der zu erledigenden Arbeiten" ist da die Rede. Bei mir steht geschrieben: "Erkundung des Rio Madidi".

Danach erledigte ich noch die letzten Arbeiten für www.kicknic.de. Ich habe das Glück, dass Herr Wagner, der Inhaber der Seite, meine Unternehmungen toleriert und geduldig wartet, bis ich wieder an Land bin, um die nächsten Aufgaben in Angriff zu nehmen. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön.

Grüsse aus Cobija
Michael


Cobija, den 5. September 2006

Manuripi. Ma-nu-ri-pi. Manuripimanuripimanuripi. Jedesmal, wenn ich den Namen vor mich hinsage, scheint der ganze Urwald darin aufzuleben: die Papageien, Urwaldflüsse, dunklen lianenverhangenen Unterhölzer und all die Fallstricke für Leute wie mich, die grün sind wie ein frisch gesprossenes Palmblatt.

Der Rio Manuripi entspringt irgendwo im Regenwald von Peru, fliesst über die Grenze durch den halben Pando und vereinigt sich schliesslich mit dem Rio Tahuamanu. Von da an heissen die beiden Flüsse Rio Orthon. Einen guten Teil dieser Strecke bildet der Rio Manuripi die nördliche Grenze des Naturreservats Manuripi, das sich der Länge nach durch den Pando erstreckt.

Es gab bereits Leute, die den Fluss nach Puerto Rico hinunter gepaddelt sind. Biologen und Abenteurer, die die Abgelegenheit und Vielfaltigkeit der Natur anzog. Aber alleine scheint das noch niemand in Angriff genommen zu haben. Das mag dann auch der Grund sein, weswegen die Parkranger eine schriftliche Erklärung von mir wollen, in der ich die Verantwortung für das Unternehmen allein auf mich nehme. Die Vorbereitungen für ein eventuelles Abenteuer laufen also. Doch wirklich sicher, dass die Sache am Ende stattfindet, bin ich irgendwie nie.

Neulich habe ich herausgefunden, warum ich schon so lange keine neuen Einträge im Gästebuch mehr hatte: weil das Skript nicht funktionierte. Wem die Seite also zusagt, der kann sich nun dort eintragen. Ein wenig Feedback wäre mir auf jeden Fall willkommen.

307 Unterseiten von dieweltvonunten.de sind jetzt im Google-Cache. Auch wenn sich da immer eine Menge tut und diese Zahl kaum einen Tag lang gleich bleiben wird: ich bin beeindruckt. Wusste gar nicht, dass ich so viele Unterseiten habe. Auch ein paar gute Backlinks habe ich in den letzten Monaten erhalten. Ich investiere eine ganze Menge Zeit in diese Seite und tue es gerne - schliesslich will ich mal als Webdesigner mein Geld verdienen. Die von Monat zu Monat leicht ansteigende Besucherzahl jedenfalls ist ein echter Ansporn.

Grüsse aus Cobija
Michael


Rurrenabaque, Bolivien den 19. August 2006

"Ist noch Leben auf diesem Planeten möglich?" Diese Frage stellt sich einem, wenn man morgens in einer Grossstadt aufwacht. Und je mehr einem das Leben befremdet, desto unübersehbarer scheinen die Absurditäten zu werden. Dennoch sind wir in unserer Demokratie der festen Meinung, die Krone der Entwicklung menschlichen Zusammenlebens zu sein.

Mir liegt nichts daran, zu moralisieren. Ich will mich ja an meiner eigenen Schreibe nicht langweilen. Deswegen stört mich die Abholzung des Waldes im amazonischen Becken auch nicht aus irgendwelchen ökologischen Gründen - schliesslich zerstören wir uns am Ende nur selbst. Aber je mehr der Mensch voranschreitet und überall sein Evangelium der Nivellierung predigt, desto weniger Möglichkeiten gibt es für Menschen wie mich, die sich von Zeit zu Zeit aus der ganzen Sache zurückziehen möchten. In ein paar Jahrzehnten wird man Alpinist oder Tiefseetaucher sein müssen, wenn man noch irgendwo seine Ruhe haben will.
Dabei sind die Menschen, die hier mit der Motorsäge zu Gange sind, keine finsteren übelgelaunten Bösewichte. Im Gegenteil, wir werden die liebenswürdigste Spezies sein, die jemals einen Planeten zu Grunde gerichtet hat.


Ich war nun drei Tage im Wald unterwegs. Von Ixiamas aus machte ich mich auf den Weg nach Alto Madidi, einer - wie ich meinte - kleinen Ortschaft am Rio Madidi mitten im Dschungel. Dort angekommen gab es nichts ausser einer verfallenen Unterkunft der Parkwächter, die in die Nachbarortschaft umgezogen waren. Vom Ufer des Rio Madidi, dessen Sandbänke voller Jaguarspuren waren, schaute ich abends auf das Wetterleuchten über den Bergen im Inneren des Parkes. Niemand kommt dort jemals durch.


Der Trip hat allerdings trotz seiner Kürze ziemliche Spuren hinterlassen - dreissig solche Tage, und man würde mich auf der Tragbahre aus dem Wald holen. Es ist eben nicht "einfach nur Wald", wie jemand mal gesagt hat, jedenfalls nicht für mich. Es ist der Dschungel.

Grüsse aus Bolivien
Michael