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Teil 3: Glück gehabt

Entlang des Ruoppat Rombaken fuhr ich weiter Richtung Setermoen. Zum ersten Mal seit mehreren Tagen war der Himmel bedeckt, was mich allerdings nicht weiter störte, da es das Wetter war, dass ich in Norwegen sowieso erwartet hatte. Der Wind allerdings war unheimlich stark und warf mich manchmal bis in die Mitte der Straße. Dann fing es auch noch stark zu schneien an, und die Sicht reduzierte sich auf wenige Meter.
Kleine Kettenfahrzeuge der englischen Armee fuhren auf der Straße - ich befand mich in einem großen NATO-Übungsgelände, wie man mir Abends in meiner Unterkunft mitteilte. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichte ich Setermoen. Der Campingplatz war geschlossen, und das Hotel von der englischen Armee in ein Hauptquartier umfunktioniert worden.
Doch ich hatte Glück: ein Tankstellenwart gab mir den Tipp, das "Soldatheim" zu suchen, dort könne ich günstig nächtigen. Nach einer Stunde Rumfahrerei in der Dunkelheit hatte in den Platz dann endlich gefunden, und mir wurde ein Bett angeboten für 60 Kronen die Nacht! Das Soldatheim in Setermoen ist eine Unterkunft für allerlei Leute, von christlichen Vereinen gesponsert (jedoch sehr unaufdringlich), ähnlich einer Jugendherberge. Wer also auf seiner Radtour durch Setermoen kommt, sollte auf das kleine Schild am Rande der E6 achten: "Soldatheim"!

Zwei Tage später, nachdem ich eine Nacht in einem Naturschutzgebiet am Fjordufer zugebracht hatte, kam ich zu einer Stelle, wo eine kleine Nebenstrasse, die 868, entlang der linken Seite des Storfjord verlief - die E6 folgte der rechten Seite. Ich fragte einen Taxifahrer nach dem Zustand der 868 und der meinte, die sei schon Ok, und woher in denn käme und wohin ich wolle. In Lyngseidet würde ich eine Fähre nehmen müssen, die mich wieder auf die richtige Seite des Fjords bringen würde, und im lokalen Supermarkt konnte ich den Fahrplan einsehen und entschloss mich, die 16-Uhr Fähre zu erwischen. Also hieß es losfahren.
Das Wetter wechselte munter von dichtem Schneetreiben zu strahlendem Sonnenschein, und mir war alles recht. In den sonnigen Augenblicken reichte die Sicht dutzende von Kilometern entlang der verschneiten Fjordküste.
Auf einmal hielt ein Auto auf der anderen Straßenseite. Es war der Taxifahrer von eben. Ich grüßte ihn freundlich, und er erzählte mir in gewichtigem Ton von den Tunneln, die mir auf dieser Strecke noch bevorstünden, und zückte auf einmal einen kleinen, kreisrunden Lichtreflektor, den er mir gleich ohne große Umstände am Revers meiner Jacke befestigte. "Zur Sicherheit", wie er sagte. Wir verabschiedeten uns mit Händedruck, und ich fuhr weiter, immer in Gedanken an die Fähre, die ich noch erreichen wollte.
Und tatsächlich hatte ich noch einen etwas längeren Tunnel vor mir, der nicht belüftet war und in dem es übel roch. Davor hatte, zu meinem Erstaunen, ein weiterer Autofahrer angehalten und mir vorgeschlagen, das Fahrrad auf den Anhänger neben sein Schneemobil zu laden, da der Tunnel wirklich lang und steil sei. Ich lehnte freundlich dankend ab und fragte mich ernsthaft, ob ich soviel Hilfsbereitschaft wohl auch auf der E6 angetroffen hätte. Irgendwie schien hier, auf der Nebenstraße, alles viel entspannter und familiärer zu sein.
Ich fuhr schnell durch den Tunnel, glücklicherweise war kaum Verkehr, und kurz nach drei war ich am Fährhafen, und setzte mich erst mal in den Supermarkt und legte meinen Schlafsack zum Trocknen über zwei Stühle. Alles schien hier sehr unkompliziert und die Menschen doppelt nett. Ich sah den Mann mit dem Schneemobil wieder. Er sagte mir, in den kommenden Tagen würde es Regen geben. Er musste grinsen, als er mein langes Gesicht sah, und er sollte mit seiner Vorhersage Recht behalten. Auf einmal tauchte wieder ein Journalist auf - der Taxifahrer hatte die lokale Zeitung angerufen. Im Eildurchgang beendeten wir das Interview und die Fotos, da meine Fähre abfuhr, und dann setzte ich über und hoffte, einen guten Schlafplatz zu finden.

Doch es wurde dunkel und Nacht, bis ich mich abends gegen neun Uhr in einem Hotel in Storslett nach den Zimmerpreisen erkundigte, die, wie eigentlich immer in norwegischen Hotels, exorbitant waren. Die lokalen, kleineren Unterkünfte waren von Flüchtlingen aus aller Herren Länder belegt. So blieb mir nichts anderes übrig, als völlig übermüdet und etwas außerhalb der Ortschaft mein Zelt aufzuschlagen, schnell noch etwas zu kochen und dann tief in den Schlafsack zu kriechen. Am nächsten Tag startete ich den Versuch, einen Tag Pause im Freien zu verbringen.
Der Wind, der von Süden her kam, war eisig kalt, und so fuhr ich, nachdem ich meine Ausrüstung im Zelt verstaut hatte, die kurze Strecke zurück nach Storslett, um dort ein paar Dinge zu kaufen und mich im Warmen aufzuhalten. In der öffentlichen Bibliothek unterhielt ich mich mit den Angestellten über meine Tour und erhielt wertvolle Tipps für die Übernachtungsmöglichkeiten auf den folgenden Kilometern. Abends kehrte ich zu meinem Zelt zurück, kochte mein Abendessen und legte mich schlafen. Doch es war zu kalt gewesen, um mich wirklich zu erholen, und das sollte ich am folgenden Tag zu spüren bekommen.
Denn nachdem ich da entlang der Küste gefahren und die seltsam perfekten Formen, die die gesprungene Eisdecke auf dem Wasser des Fjordes geschaffen hatte, betrachtet hatte, fühlte ich mich auf einmal etwas kraftlos und schwindelig, als ich in einem kleinen Supermarkt in Sorstraumen einen kurzen Stop einlegte und eingeladen wurde, gratis Kaffe zu trinken und Plätzchen zu essen. Der Besitzer des Supermarktes stand da, mit einer Zeitung in der Hand, und blickte immer wieder prüfend zu mir her. Dann kam er herüber und gab mir einen kleinen Wimpel, auf dem "Sorstraumen" und "Midnatt Sol" stand. Er hatte in der Zeitung den Artikel über mich entdeckt und hatte sich wohl zuerst vergewissern wollen, dass ich auch wirklich der Richtige war.

Über eine kleine Steigung fuhr ich weiter nach Burfjord. Dort, so hatte man mir in der Bücherei von Storslett gesagt, solle ich mich an der Tankstelle nach einer Übernachtungsmöglichkeit erkunden - ein Glückstreffer! Der Tankwart gab mir die Telefonnummer eines Ehepaares, das ein paar Kilometer weiter Hütten vermietete, und die sagten mir, ja, sie hätten Betten frei, für 300 Kronen die Nacht. Ich fuhr also hin, und also ich dort war, schien die Frau mich schon gesehen zu haben und war ganz aufgeregt. "Sie können die Hütte für 150 Kronen haben" sagte sie mir - ich wusste zunächst nicht, wie ich das verstehen sollte. Doch sie bat mich in die Stube und ging nach nebenan, und kam mit der lokalen Zeitung in der Hand wieder. Dort hatte sie mein Bild entdeckt! So bekam ich eine recht geräumige Hütte mit schöner Aussicht zum Sonderpreis und war natürlich mehr als zufrieden. Ich blieb gleich zwei Tage. Ich sammelte etwas Kraft für den letzten Teil meiner Tour.

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